Pucon: Letzte Station in Patagonien

Pucón, Chile 30.1. – 2.2.2013

Ich musste hierhin, es war fast Bestimmung. Vor der Reise, hat mein Vater mir eines Abends gebeichtet, dass, als er vor einigen Jahren in Patagnien war, er unbedingt diesen einen Vulkan besteigen wollte. Das Wetter liess es die ersten Tage nicht zu, so verlängerte er seinen Aufenthalt um zwei Tage, doch jeden morgen wenn er aus dem Fenster zum Vulkan hochguckte, sah er Wolken, Schnee und Sturm, und die Besteigung wurde schon vor dem Start abgesagt. Am Tag der unbedingten Abreise und Heimflugs von Chile, guckte er, so erzählte er mir, wie gewohnt morgens aus dem Fenster, doch statt Wolken, sah er blauen Himmel und und die schneebedeckte Spitze des Vulkans klar und deutlich über der Stadt thronen. Er musste schweren Herzens abreisen an diesem Morgen.

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Hier bin ich nun, bereit die Familienehre wieder herzustellen und den Wettergöttern und Magmaströhmen zu trotzen. Villarica, jetzt bist du dran.

Der erste morgen nach unserer abendlichen Ankunft sah verheissungsvoll aus. Keine Wolken am Himmel und auch gute Voraussagen für den Rest des Tages. Bergtouren auf den Vulkan sind ein Tourismusmagnet, ein Besteigen ohne Führer nach mehreren Todesfällen in den letzten Jahren jedoch so gut wie nicht durchführbar.

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Um 6:30 ging es los. Wir waren eine Gruppe von 7 Leuten und 3 Guides. Wir brachen etwas verspätet am Berg an, sodass einige andere Touristengruppen den Aufstieg schon begonnen haben. 1400 Höhenmeter sind zu bewältigen, wobei die erste Hälfte des Weges über lockeren, rutschenden und schwer zu begehbaren Vulkansand verläuft, die zweite Hälfte über Schnee und Eisfelder, gepickt mit einigen Kletterpassagen über Vulkangestein. Normalerweise wird für den Aufstieg eine Zeit von 4-5 Stunden veranschlagt, noch dazu lassen sich die ersten 1 1/2 Stunden einsparen, wenn man den Sessellift zur Mittelstation nimmt, der im Winter zum Skifahren genutzt wird. Wir hatten weder Geld in der Tasche, noch wollten wir uns die Blöße geben Lift zu fahren und der Rest unserer Gruppe tat es uns gleich. Beim Aufstieg über das Eisfeld hatten wir alle anderen gestarteten Gruppen vor uns, die den Vorsprung der Liftfahrt genossen. 2 Leute unserer Gruppe konnten das Tempo nicht halten oder mussten aufgrund von Krämpfen abbrachen, und fielen jeweils von einem Guide begleitet zurück. Unser Guide mochte ebensowenig wie wir den Fakt beim hochschauen zum Gipfel eine Gruppe anderer Touris vor sich zu haben. Er machte Tempo, Pausen nur alle 45 Minuten, dann auch nur 5 Minuten. Anstieg lieber direkt statt zick-zack. Die Höhe machte sich bemerkbar, immerhin ging es von 400 auf 2800m – die Luft wird immer etwas dünner. Die Eisaxt schützte vorm Abrutschen und gab halt im Schnee.  Tabea, als einziges Mädchen der Gruppe, machte ihrem Alpenblut alle Ehre und hatte noch die Puste, während dem Aufstieg ständig zu quatschen. Wir erreichten als erste den Vulkangipfel nach knapp 3 Stunden – höher und weiter hätten mich meine Beine auch nicht mehr getragen….

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Der Vulkan Villarica ist einer der aktivsten Vulkane der Welt, in der Landesprache wird er Rucapillán genannt, was soviel bedeutet wie Haus des Geistes. Er ist einer von 5 Vulkanen weltweit, die einen aktiven und sichtbaren Magmasee im Krater haben. Leider war an diesem Tag der „Wasserstand“ zu tief, sodass wir keine brodelnde Magma sehen konnten, sondern uns mit dem augen- und nasenzerfressendem Schwefelgeruch zufrieden geben mussten.

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Man hat einen unfassbaren Blick von dort oben. Man kann vier andere Vulkane sehen und hat unzählbare Berge und Täler unter sich, die teilweise durch Bodennebel oder Wolken oder Dunst halb verdeckt sind. Brotzeit und ein verdientes Gipfelbierchen bevor wir uns an den Abstieg machten. Abstieg? Achwas, lass lieber rutschen. Schneefeste Kleidung an, den Arschbob unter den Hintern, und die Eisaxt als Bremse, rutschten wir innerhalb von 10 Minuten die ersten 800 Mete wieder herunter. Der Rest des Weges im Weichen Vulkansand konnte auch mehr gerutscht werden, sodass der Abstieg zur einzigen Spasspartie wurde.

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Papa, das war für dich! Ich hoffe die Fotos und der Bericht können dir zumindest etwas das Gefühl geben, als wärst du auch da gewesen.

 

 

 

 

Der nächste Tag in Pucón regnete und stürmte es. Wir konnten die Pause gut gebrauchen. Am drauffolgenden Tag ging Tabea einige Stunden wandern in die unberührte Natur, hin zu einem Wasserfall. Zurück kam sie mit einer ganzen Flasche frisch gepflückter Brom- und Heidelbeeren. Ich habe mich in der Zwischenzeit, als hätte ich noch nicht genug von der ganzen Action, auf einem Bodyboot den Fluss hinunter gejagt. Durch Stromschnellen und über Stock und Stein. Mal wieder eine Sportart, die in Dtl. sicher aus versicherungstechnischen Gründen und Verletzungsrisiken unvorstellbar ist.

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