Mantas, Surf und Radelfahren: Nusa Lembongan

Nusa Lembongan, 23.6. – 27.6.

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Es war so weit. Runter von dieser Insel. Was hatten wir für Pläne gehabt, Anfangs: Von Lombok über Sumbawa, vielleicht Java und eigentlich mit Sicherheit die Gilis. In unserer Zeit in Indonesien verlassen wir auf jeden Fall Bali und machen einen Roadtrip ab von dem touristischen Ballungsgebiet. Aber wie so oft, man trifft Leute, man hat eine gute Zeit, man bleibt hier und da ein paar Tage hängen und genießt den Vibe, und plötzlich sind schon 5 Wochen um.

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Aber wenigstens einmal mussten wir doch weg aus Bali, unsere Freunde und Reisebekanntschaften sind auch inzwischen weitergereist oder haben den Heimweg angetreten, und auch wir fühlten das Kribbeln immer stärker jetzt – nun doch – die Insel verlassen zu müssen. Sei es auch nur ein paar Tage. Ungewiss war das Ziel, erstmal Richtung Osten, dahin wo die Boote ablegen, und dann spontan ablegen. Angekommen in Sanur, nach typischen Balinesischen Irrwegen, der starke Wind hat uns samt Boards fast vom Roller geweht. Wir sprangen aufs nächste Boot nach Lembongan, die Roller bleiben solange im Hafen stehen. Die Überfahrt im Speedboot war alles andere als gemütlich, ging jedoch schnell.

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Nusa Lembogan ist eine kleine Insel, südöstlich von Bali, gerademal 8 km² groß, wohl ein Paradies zum Tauchen und Schnorcheln, doch auch ein Ort mit sehr guten Surfspots. Der größte Teil der Einheimischen lebt von der Seealgenzucht und Ernte. Fast in jedem hochwertigen Kosmetikprodukt finden sich wohl diese Algenbestandteile aus Indonesien wieder, wovon ein Großteil hier auf dieser Insel gezüchtet wird.

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Wir haben in einem kleinen Homestay gewohnt, etwas ab vom Schuss, ohne direkten Meerblick, dafür mit umso mehr Einblick ins indonesische Familienleben und ihre Rituale. Dazu schweinegünstig inklusive willkürlichem Frühstück, mal frittierte Bananen, mal Süsskartoffeln, mal süßer Reis. Abends wurde meistens frischer Tuna gegrillt, bei besonderen Anlässen auch mal ein Spanferkel besorgt und die wenigen Bewohner des Homestay wurden immer eingeladen dem Essen beizuwohnen. Das Einleiten der Zeremonie mit stundenlangen, nervigen Glockengebimmel sei mal außen vor.

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Die Wellen waren recht klein als wir ankamen, der Wasserstand dazu sehr niedrig und das Riff scharfkantig. Auch am nächsten Morgen, waren die Wellen noch klein, wir suchten uns ein Ersatzprogramm. Nach langen Verhandlungen gingen wir auf eine Schnorcheltour, und nahmen die Bretter aber mit aufs Boot, um anschließend beim Surfspot rausgeworfen zu werden. Daher leider kein Foto und keine Bilder. Wir fuhren zum Manta Point, an dem – falls man Glück hat – Mantarochen zum Fressen hinkommen. Tabea war sehr skeptisch, da sie sich unter Wasser generell nicht sehr wohl fühlt und auch nicht unbedingt wissen will, was da alles so kriecht und schwimmt. Ich  tat gut daran, ihr nicht im Vornherein zu berichten, dass Mantarochen so groß wie Autos werden und auch 2-3 Tonnen auf die Waage bringen können. Es war atemberaubend. Wir waren nur zu dritt im Wasser, mit teilweise bis zu 7 Mantarochen, die größten 4-5m in ihrer Breite. Es ist als schwimmt ein kleines Raumschiff auf dich zu mit einem Maul so groß, das man fast hineinschwimmen könnte. Dabei eine unbeschreibliche Eleganz in ihren Bewegungen und keinerlei Scheu vorm Menschen, sie fliegen/schweben/schwimmen fast neugierig auf einen zu, um erst im letzten Moment abzudrehen. Bea war anfangs geschockt durch die pure Masse der Tiere, die einen schon unter Wasser Angst einjagen kann. Man fühlt sich fast hilflos. Wir schwammen ungefähr eine halbe Stunde mit den Mantas im für uns ungewöhnlichen kalten Wasser, bevor wir völlig euphorisiert wieder an Board stiegen und uns zum zweiten Tauchspot und schliesslich zum Surf aufmachten. Tauchen war ich nicht mehr während der Tage auf Lembongan, das Schwimmen mit den Mantas wäre schwer zu toppen gewesen, und unser Budget war wie immer knapp.

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Der Surf war teilweise schwierig, da aufgrund von Vollmond, die Tide sich extrem ausgebildet hat und die Strömung den Surf zum Paddel und Kraftspiel machte. Am dritten Tag hatten wir noch eine gute Session in Lacerations, der Swell nahm diese Tage jedoch stark zu, und nachdem wir den ersten mit einen 8 cm Cut am Kopf aus dem Wasser gesehen haben, Tabea die Leash gerissen ist, und einige andere ihre Rücken aufgeschrammt oder ihre Boards zerbrochen haben, beschlossen wir die Insel nun per Rad zu erkunden anstatt vom Wasser aus.

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Es war nicht leicht ein funktionstüchtiges Push-Bike zu organisieren, wir mussten uns mit Schrott zufrieden geben. Tabeas Lenker locker, meine Bremsen regierten wenig bis nicht auf abschüssigen Wegen, trotzdem wagten wir den Ausflug. Über den Mangrovenwald im Norden, hinter Fischern, die Ihre Boote über Land schoben, über schmale Brücke, Schlaglöcher und Schotterstraßen, vorbei an trockenden Algenteppichen und Arbeitern im Ebbeflussbett erreichten  wir schließlich die Nachbarinsel Cenningan. Wir fuhren an die Küste auf der Suche nach eine Cliffjump, bei dem man aus bis zu 15 Meter (je nach Wasserstand) reinspringen kann. Jedoch traf der Swell diesen Küstenabschnitt mit voller Wucht und 5 Meter Wellen, die an der Steinklippe zerklatschten luden nicht zum reinspringen ein. Die Strömung und Wellen hätten uns wahrscheinlich nie mehr auftauchen lassen, also blieben wir an Land und genossen die unwirkliche Atmosphäre und das spektakuläre Naturschauspiel. Der Rückweg ging wieder über Stock und Stein und die Motivation ging uns langsam flöten, sodass wir bei einer Pause mit  Bierchen und Sonnenuntergang uns den Rücktritt versüßten. Im dunklen brach schließlich auch noch eine Pedale von meinem Fahrrad und auch Licht hatten wir keins. Aber kein Problem für uns….

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Wie der Zufall so will trafen wir auch auf altbekannte Gesichter. In unserem „Stammlokal“ saß eines Abends Niklas, mein Tauchkompangion aus Thailand, der  gerade von den Philippinen zurück ist.  Seine Erfahrungen dort überraschten uns. Von Surfen und Sonnenschein keine Spur, überteuerte Unterkünfte und billiger Alkohol veranlassten mehr zum Feiern als zum Sporttreiben. Hinzu kommt das nervige Inselhopping, welches viel Zeit und Geld in Anspruch nimmt. Natürlich darf man solche Erfahrungen nicht verallgemeinern und bestimmt sind die Philippinen außerhalb der Regenzeit jeden Besuch wert, doch wir sind froh uns für Sri Lanka entschieden zu haben, in der Hoffnung auf bessere Erfahrungen.

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Zur Abwechslung hatten wir mal einen Quizabend in einer Tauchschule, wo wir (Tabea, Niklas,dessen Kumpel Timo und ein Einzelgänger, der nur Bier trinken wollte) uns als klare Verlierer hervortaten, mit Abstand und ungerechterweise. Der Quizmaster hatte keine Ahnung von Allgemeinwissen und beschränkte sich auf britische Geschichte, die Sprachbarriere tat ihr Übriges. Bei Science wurde nur nach Namen von Knochen gefragt, wer weiß den schon sowas auf English, da wäre ja Latein noch fairer. Aufregen hat nichts gebracht, schließlich wissen wir dass wir klüger sind als der Rest der Welt, mit Ausnahme Musikwissen….

Und so klug wie wir sind, fällten wir die natürlich superkluge Entscheidung am nächsten Tag Lembongan auch wieder zu verlassen.

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