Antarktis – Der siebte Kontinent

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Antarctica, 8.1-17.1.2013

Oh Mann, das hier wird schwierig. Diese Reise lässt sich zum einen schwer in Worte fassen, zum anderen haben wir viel zu viel erlebt und gesehen um alles aufschreiben zu können.  Ich werde es dennoch so kurz und knapp wie möglich versuchen.
Kurz nach unserer Ankunft in Ushuaia haben wir festgestellt, dass die Argentinier lügen, wenn sie behaupten, Ushuaia sei das Ende der Welt. Man kann doch noch weiter südlich. Also gingen wir.
Wenn man schon so weit gekommen ist, an den Ort von wo aus fast alle Schiffe in die Antarktis aufbrechen, dann – so dachten wir – sollte man diese Gelegenheit nutzen. Noch dazu werden die letzten freien Plätze dieser Antarktis-Expeditionsfahrten in Ushuaia mit großen Rabatten zum Last Minute Preis verkauft, falls man spontan ist und Wartezeiten hinnehmen kann. Wir hatten gleich mehrmals Glück:
1. Freie Plätze
2. kein allzu großes Schiff
3. All Inklusive – Open Bar on Board
4. Das beste und erfahrenste Expiditionsteam überhaupt.
5. Upgrade von 3er Suite auf Doppelzimmer, da Pärchen.

Diese Reise entdeckt, sofort in den Gedanken in den 7ten Kontinent zu reisen verliebt und gebucht. Hier nochmals 1000 Dank an unsere Eltern, Highly Leiverage Melle konnte die Kohlen nicht so schnell alleine locker machen.

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Das Boot – Die Sea Spirit – kann man eigentlich nur als eine Art Luxusliner beschreiben, der jedoch auch für extremere Bedingungen ausgelegt ist. Es gab Platz für ca. 100 Passagiere, plus ca 70 Arbeiter der Crew oder des Expeditionsteams. Für uns und unsere sonstige Art zu reisen, gab es hier einen Luxus, den wir so noch nicht kannten. Das Essen war aussergewöhnlich gut, Abends immer ein vier Gänge Menü erster Güte, sonst Buffet inklusive aller Sonderwünsche wie Pancakes, Omlett oder French Toast. Dazu hin und wieder der ein oder andere gesellige Gin-Tonic an der Hotelbar, oder ein kleiner Cocktail im Whirlpool auf dem Sonnendeck. Falls man nicht – wie ich – 2 Kilo in 10 Tagen zunehmen will, kann man ins Fitnessstudio gehen und sich dort mit Blick aufs Meer die Kilos von den Rippen radeln.

Doch bevor wir endlich wieder Land sehen konnten, mussten wir erst die Überfahrt hinter uns bringen:

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Von Ushuaia bis zum ersten Land der Antartis dauert die Fahrt zwei komplette Tage. Nach der schönen Kulisse des Beagle Kanals, passierten wir Kap Hoorn und fuhren raus auf die offene See. Um in die Antarktis zu gelangen muss man die Drake Passage überqueren, eine der stürmischsten Seepassagen der Welt. Auch hier waren wir sowohl auf Hin- als auch auf dem Rückweg überaus glücklich – kein Sturm, und legiglich Wellen um die 4 Meter, was hierfür anscheinend relativ ruhig ist, das Boot jedoch auch schon ordentlich durchschüttelt. Einige Passagiere aufgrund Seekrankheit die ersten Tage nie gesehen. Der Fakt, dass Tabea auf dieser Luxusmastfahrt nicht zugenommen hat, ich hingegen schon, ist wohl unserer unterschiedlichen Aufnahmefähigkeit von schwankenden Böden zu verdanken. Doch wir sind dem Sturm nicht ganz enkommen, Am Abend des zweiten Tage, gerade nach den ersten „Land in Sicht“-Rufen, nahm der Wind zu und die See bäumte sich aus. Gerade wenn wir dachten, wir seien wieder in geschützten Gewässern wurden wir Besserem belehrt. Der Wind peitschte mit über 110 km/h über Board, die Wellen klatschten über Deck und selbst hoch bis zur Brück, das Boot schwankte in den ca. 10m Wellen bedächtlich auf und ab, im Bauch machte sich das Gefühl einer nicht endenen Achtenbahnfahrt breit, um an Deck zu laufen musste man sich im 45° Winkel gegen den Wind stellen und sich an der Rehling Richtung Bug ziehen. Ich habe es geliebt, endlich mal richtig was los. Andere konnten das wenig nachfühlen. Der Sturm verzog sich jedoch über Nacht, sodass wir die nächsten Tage in der Antarktis – Gott sei Dank – von eisigen Winden verschont wurden.

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Die Antarkis – Der siebte Kontinent: Größer als ganz Europa zusammengenommen und zu 98% mit Eis bedeckt.

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Den Part den wir erkundeten, war nur das oberste Viertel der Antartic Peninsula, der tentakelförmigen Halbinsel der Antarktis. Touren weiter hinunter gestalten sich ohne Eisbrecher auch schwierig und dazu sehr zeitaufwendig. Im Winter, wenn das Packeis sich ausdehnt und das Meer gefriert, verdoppelt sich die Fläche der Antarktis beinahe. Der Sommer – jetzt – kann je nach Bedingungen sogar sehr angenehm sein, mit manchmal 5-10°C und Sonnenschein. Bis 2042 existiert noch ein Internationaler Antarktisvertrag, der das Ausbeuten der Ressourcen des Kontinents verhindert. Der Mensch besitzt fast keinerlei Einfluss auf die Wildnis hier, das Eis ist mancherorts geschätzt älter als die Menschheit an sich. Die Lebensbedingungen sind für alle Pflanzen und Tiere schwierig, Temparaturen bis -80 Grad, im Winter kein Sonnenlicht, sowie äusserst wenig Nahrung.

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Dennoch haben es einige Tiere geschafft sich dieses Territorium zu erobern und sich bestens an die Bedingungen in dieser kalten Wildnis angepasst.
Die ganze Nahrungskette hier ist abhängig vom Krill. Diese kleinen krabbenähnlichen Tiere bilden die Grundlage der Nahrungskette und ernähren Pinguine, Robben, Wale und Wasservögel.

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20130119-170120.jpg DSCF3464Der Rest wird durch Raubbeute gedeckt. Killerwale und Leopardrobben fressen Pinguine und Wasservögel. Wasservögel fressen Pinguinkücken, Orcas fressen Robben. Pflanzen gibt es hier so gut wie keine, einige Flechtenarten haben sich auf Steinen niedergelassen.

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Die Antarktis hat eigentlich nur drei Farben: Schwarz, weiss und grau.Manchmal das Rot eines Vogelschnabels oder Blut eines Raubzuges, jedoch ist das generelle Bild der Wildnis schwarz-weiss mit dem dunklen Blau des Meeres und dem Türkis der schimmernden Eisberge.

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Da so gut wie immer Tageslicht herrscht, musste man zum schlafen immer die Gardinen zuziehen und auch hin und wieder sich sehr früh zu aufmachen, wenn die Bedingungen oder der Zeitplan es erlaubten. Wir gingen 2-3 mal täglich von Board, entweder um mit den Zodiacs durch die Fjorde zu kurven oder um Exkursionen an Land zu machen.

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Kniehohe Gummistiefel, Wasserdichte Hosen und Jacken waren verpflichtend. Kamera auch nützlich um wenigstens zu versuchen, das was man sieht, auf Fotos festzuhalten, was jedoch in Gänze fast nie gelungen ist. Die Stille die das Eis umgibt ist ebenso schwer festzuhalten wie die Laute und den Gestank der Pinguine, sowie ihre unfassbar amüsante Lebensweise. Mit jeder Landung änderte sich unser Wetter von Nebel bis zum Boden, über Sonnenschein, über einen Himmel, der einem den Weltuntergang hervorzusagen schien.

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Wir hatten wieder viel Glück, Walsichtungen waren an der Tagesordnung. Einmal ist ein Humpback-Wal nur einige Meter neben unserem Zodiac aufgetaucht, um schliesslich unter uns durchzuschwimmen. Was für Riesen. Fast angsteinflößend obwohl extrem friedlich.

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20130119-162428.jpg 20130117-202824.jpg DSC01921 20130119-164121.jpg 20130119-170509.jpg 20130119-170453.jpg

 

Am letzten Abend, als wir dachten nun schon alles gesehen zu haben und uns auf der Fahrt durch einen Fjord beim Sonnenuntergang von der Antarktis verabschiedeten, tauchte plötzlich ein großes Rudel Orcas mit Babys auf, die uns eine geschlagene halbe Stunde begleiteten. Dazu eben unzählbare Pinguine verschiedenster Arten, bis zu 4,5 Meter große Leopardrobben, die einen Menschenkopf wahrscheinlich wie eine Erdnuss knacken könnten. Wedellrobben, Furseals, Crabeater Seals – In der Antarktis kann man nie voraussagen was passiert, hier behütet die Wildnis die Natur.

20130119-170023.jpg 20130119-165730.jpg 20130119-165214.jpg 20130119-165857.jpg 20130119-165834.jpg

 

Abgesehen von den Tieren, gab es natürlich jede Menge Eis: Gletscher, Schnee, Eisberge, Packeis, Eisschollen. Die einzig helle Farbe in der Antarktis ist dieses leuchtende Hellblau des Eises. In Paradise Bay liegt der Eisbergfriedhof, eine kleine Bucht, in die viele Eisberge von der Strömung hineingetrieben werden, nicht mehr fliehen können und somit meist über die Jahre hinwegschmelzen. Mit dem kleinen Zodiacs zwischen diesen gigantischen Eisbergen durchzufahren, inmitten dieser wirklich schönen, unwirklichen Kulisse war auch eines dieser unvergesslichen Erlebnisse, die schwer über Fotos oder Worte wiederzugeben sind.

Neben dieser außergewöhnlichen Natur gab es auch noch einige aussergewöhnliche Erlebnisse, die im Besonderen der schöne Kulisse geschuldet sind.
Bei der Landung in Neko Harbor, auf dem Festland der Antarktis, haben wir eine kleine Gipfelwanderung oberhalb eines Gletschers unternommen. Nach beschwerlichen Aufstieg haben wir schliesslich unsere selbstgebaute Gipfelflagge gehisst. Und statt den Berg durch den Schnee wieder herunterzuwandern, haben wir uns die steilste Stelle gesucht um auf Jacken und Hosen herunter zu rutschen. Das Ganze war doch steiler als anfangs erwartet und mit jedem Teilnehmer wurde die Rutsche schneller, sodass ich mich sogar ordentlich überschlagen hab und der ein oder andere auch mit dem Kopp im Schnee gelandet ist.

20130119-170051.jpg Big Kiiiiiss on Southpole 20130119-170127.jpgWir haben uns unsere Deutschen Wurzeln natürlich nicht ganz nehmen lassen während, weshalb wir den unbedingten Willen hatten für die eine oder andere Pose im ewigen Eis der deutschen FKKultur zu fröhnen. Am südlichsten Punkt unserer Reise und einem der schönsten Aussichtspunkte auf Petermans Island, konnten wir uns dieses Foto nicht entgehen lassen:

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Es gibt noch weitere, aber eben nicht alle ganz Jugendfrei.
Dazu wurde uns am dritten Tag ein Polar Plansch angeboten. Jeder Passagier der will, kann von einem Zodiac ins 2° C kalte Eiswasser springen. Fast die Hälfte des Schiffes konnte sich diese einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen. Wir auch nicht.
2 schnelle Vodka shots an der Bar um den Körper auf den Schock vorzubereiten und ab gings. Vielleicht war es der Alkohol, vielleicht auch einfach die einzigartige Chance, auf jeden Fall hab ich hier spontan blankgezogen und den „nackten Hecht“ gespielt.

20130119-170524.jpg 20130119-170425.jpg 20130119-170417.jpgWie sich später rausstellte, war es das erste mal in der Geschichte dieses Reiseanbieters, das jemand nackt gesprungen ist. Dazu noch, wurde ich während diesem doch sehr kalten und daher gewisse Sachen einschrumpfenden Polar Plansch von einen National Geographic Fotograph in einer Serienbildaufnahme abgelichtet (ganz bestimmt nicht Jugendfrei). 150 Leute am glotzen, aber diese Möglichkeit musste genutzt werden. Es war den Spass wert, trotz der Sprüche die ich mir den Rest der Reise anhören musste. – Auch das kommt jetzt wahrscheinlich wieder…

Ganz kurz ist es nun wirklich nicht geworden, dennoch beschriebt es noch nicht einmal annähernd was wir erlebt haben, und für die, die soweit gelesen haben, hier noch einige Bilder:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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